Essstörungen

Wasser
Das Grundnahrungsmittel vieler Essgestörten. Wasser.

Essstörungen sind in der heutigen Zeit sehr weit verbreitet und gleichzeitig  immer noch ein Tabuthema. Wir hören von Stars, die ja „so abgemagert“ sind, werden in Zeitschriften und im Fernsehen mit erschreckenden Fotos von dünnen Armen und viel zu weiten Hosen konfrontiert.

Auf der anderen Seite sehen wir in den Medien Reportagen über „die dicksten Menschen der Welt“, schauen dabei zu, wie diese vor tausend Zuschauern zum Sport getrieben werden und mürrisch Blattsalate essen.

Gesprochen wird hingegen wenig darüber, höchstens hinter den Rücken der Betroffenen.

Das Thema Essstörung ist aktueller denn je. Fernab von der Modelwelt, in welcher es zum guten Ton gehört, nach einem Apfel zur Toilette zu gehen, um diesen wieder zu erbrechen, gibt es viele Frauen und auch immer mehr Männer, die den Hungerstreik antreten.

Wieder andere trösten sich mit Essen über Sorgen hinweg, „fressen alles in sich hinein“ und werden immer fülliger.

Ja, in einer Generation, die im Nahrungsmitteldschungel groß wird, ist es schwierig, die eigene Mitte zu finden. Hier einige Beschreibungen der geläufigsten Essstörungen und Therapieansätze:

Magersucht (Anorexia nervosa)

Anorexie bedeutet übersetzt „Appetitlosigkeit„, was man im übertragenen Sinne nicht so sehen darf. Magersüchtige Patienten haben großen Hunger, lernen nur, diesen zu unterdrücken bis sie irgendwann kein Hungergefühl mehr haben.

Erschreckend ist die hohe Letalität von 4-18% der erkrankten. 40-50% zeigen einen chronischen Verlauf und bei 20-30% kommt es zu einer „Spontanheilung“.

Man unterscheidet zwei Formen der Anorexie:

  1. restriktiver Typ
  2. bulimischer Typ

Bei der restriktiven Form erzielen die Patienten den Gewichtsverlust durch Nahrungsverweigerung und oft durch ein exzessives Sportprogramm. Es kommt weder zu Heißhungerattacken noch zum (selbstherbeigeführten) Erbrechen.

Nicht füttern

Der bulimische Typ hat Zeiten der strikten Nahrungseinschränkung, gefolgt von Ess-Brech-Anfällen, wobei bis zu zehntausend Kilokalorien innerhalb kürzerster Zeit aufgenommen werden. Belastet von Schuldgefühlen, Ekel vor sich selbst und dem Gefühl, die Kontrolle über sich selbst verloren zu haben, Erbrechen sich die Betroffenen, oft mit gefährlichen Hilfsmitteln (es gab schon Fälle von Speiseröhrenverätzungen, da Patienten Chlorreiniger tranken, um erbrechen zu können!).

Laut Definition gilt eine Person als anorektisch, wenn das Gewicht 15% unterhalb der Altersgrenze liegt, was einem BMI (Body- Mass- Index) unter 17,5 entspricht. Hier können Sie Ihren BMI ermitteln: http://www.bmi-rechner.net/

 

Waage
Die Waage. Freund und Feind einer jeden Esssgestörten.

 

Weitere Diagnosekriterien sind:
  • Amenorrhoe (ausbleibende Regelblutung bei Frauen)
  • panische Angst vor Gewichtszunahme
  • verzerrtes Körperbild (Betroffene sehen sich immer viel zu dick, obwohl sie bereits bis auf die Knochen abgemagert sind)

Das Essen gestaltet sich in der Regal als schwierig, da die Nahrungsmittelauswahl auf ein Minimum eingeschränkt wird (nur Gurken, Magerquark, trockene Brötchen) und die „Mahlzeiten“ ritualartig zelebriert werden. Die Patienten verbringen teilweise mehrere Stunden damit, einen Apfel zu essen, welcher in mikroskopisch kleine Stücke zerschnitten und sehr langsam gekaut wird.

Mögliche Auslöser für Magersucht:

  • Beginn der Pubertät (daraus folgende Selbstzweifel, Gewichtszunahme durch Hormoneinfluss)
  • geringes Selbstwertgefühl
  • Schlankheitsideale (Medien, Peer-Groups)
  • Sport (Baletttänzerinnen, Turnerinnen)
  • gestörte Mutter- / Vaterbeziehung, Trennungen
  • Probleme mit der sexuellen Entwicklung

 

So die Definition. Darüber hinaus gibt es so viele mögliche Auslöser und Faktoren, die zu einer Essstörung führen können. Ob es nun um Aufmerksamkeit geht, um das Schönheitsideal zu erreichen, das Selbstwertgefühl zu stärken, Rebellion… das muss in der Therapie herausgefunden werden. Oft wissen die Patienten selber nicht, warum sie auf einmal in die Essstörung gerutscht sind. Was glaubwürdig ist, denn nicht selten beginnt eine lebensgefährliche Magersucht mit einer harmlosen Diät.

 

Die Folgen von Magersucht sind erschreckend, um einige zu nennen:

  • Amenorrhoe (ausbleiben der Regelblutung)
  • Unfruchtbarkeit
  • Immunschwäche
  • Depression
  • schuppige, trockene Haut
  • Durchblutungsstörungen
  • Osteoporose (Knochenschwund)
  • Zahnausfall (meistens bei bulimischer Form, infolge der Magensäure, die beim Erbrechen in den Mundraum gelangt)
  • Haarausfall
  • Herz-Kreislauf-Schwäche bis hin zum Herzstillstand
  • multiples Organversagen (was unweigerlich zum Tod führt
Messer und Gabel
Jede Mahlzeit stellt für eine essgestörte Person einen großen Kampf dar.

 

Zudem findet man bei beiden Formen der Anorexie Begleiterkrankungen (Komorbidität).

Während bei der restriktiven Form der Anorexie meistens (soziale) Phobien/ Angststörungen (30 %) und Zwangserkrankungen (bis zu 25 %) sowie Depressionen (ca.55%) zu beobachten sind, leiden Patienten mit bulimischer Anorexie neben sozialer Phobie und Zwangsstörungen häufiger an Suchterkrankungen wie Alkohol- und/oder Drogenmissbrauch (etwa 35%).

 

Was ich für Sie tun kann:

Ich nehme Abstand davon, Ihnen einen Therapieplan aufzustellen, der Gewicht und Ernährung regelt, in welchem es vor lauter Zwängen keinen Platz mehr gibt für wirkliche Therapie. Schließlich kommen Sie freiwillig zu mir und möchten im Prinzip wieder „normal“ werden. Es ist ein sehr langer Weg, verbunden mit viel Arbeit.

Natürlich haben Sie Angst vor einer Gewichtszunahme, vor einer Normalisierung Ihres Essverhaltens und sehen all dies als Bedrohung. Ich helfe Ihnen dabei, diese Angst zu überwinden, Schritt für Schritt zurück ins Leben. Denn seien Sie mal ehrlich zu sich selbst: ist es lebenswert, den ganzen Tag nur an Essen und die darinsteckenden Kalorien zu denken, die Zahl auf der Waage als Maß Ihrer Laune anzusehen und nur Freude empfinden zu können, wenn diese gesunken ist?

Wenn Sie dies eingesehen haben und den Teufelkskreis durchbrechen wollen, dann haben sie bereits den ersten Schritt in Richtung Normalität gesetzt. Jetzt heißt es am Ball bleiben und sich Hilfe von Außen zu suchen.

Verhaltenstherapie hat sich als Therapie der Wahl erwiesen, ich verbinde diese mit prismatischen Gesprächen (Arbeit mit Bildern, Metaphern) und Anwendungen (Stresspunkt-Massage).

Im Vordergrund der Therapie steht hier die „Ich- Stärkung“ und die Arbeit an Ihrem Körperbild, denn die Körperschemastörung ist die hartnäckigste Stelle in der Therapie der Magersucht.

Vereinbaren Sie einen kostenlosen Beratungstermin, um zu sehen, ob die Therapie für Sie geeignet ist. Ich helfe Ihnen gerne, den richtigen Weg für Sie zu finden.

Körperschemastörung
Essgestörte Patienten haben eine ausgeprägte Körperschemastörung. Selbst wenn sie bis auf die Knochen abgemagert sind, sehen sie sich immer noch zu „fett“.

 

 

Ess- Brech- Sucht (Bulimie, Bulimia nervosa)

Patienten, die an Bulimie leiden, erkennt man im Alltag nicht sofort. Nicht immer sind sie untergewichtig, sondern eher Normalgewichtig.

Bei ihnen steht die Nahrungsbeschaffung, das Essen und das Erbrechen im Vordergrund des Alltags. Sie geben sehr viel Geld aus für Nahrungsmittel, die manchmal zunächst gehortet und dann in einer Essattacke gegessen werden. Die Essattacken finden im Geheimen statt, weshalb Familie, Freunde und das soziale Umfeld zunächst nichts davon merken. Zu den Massen an Nahrung, die innerhalb einer Attacke zu sich genommen wird, trinken sie literweise Milch oder Limonaden, haben eine bestimmte Reihenfolge an Lebensmitteln, welche zuerst gegessen werden und welche den Abschluss bilden.

Sobald der letzte Bissen heruntergeschluckt ist, sind die Patienten von starken Schuldgefühlen geplagt, denn Kontrollverlust, den sie während einer Essattacke erleben, ist ihre größte Angst. Sie fühlen sich beschmutzt, schwach und unrein.

Burger
Während einer Essattacke werden oft „verbotene“ Lebensmittel konsumiert

 

Die Folge: sie erbrechen sich. Der typische Finger in den Hals reicht jedoch nach einer Weile nicht mehr, wodurch sie sich immer merkwürdigere Tricks einfallen lassen, wie sie am besten erbrechen können. Mit Holzlöffeln, die sie sich in den Hals schieben, durch Trinken von Reinigungsmitteln oder Boxen in den Magen.

Danch fühlen sie sich befreiter, sind aber kraftlos, ausgelaugt. Je nach Dauer der Erkrankung erkennt man typische Merkmale einer bulimischen Person:

  • geschwollene Augen
  • kariöse Zähne
  • „Kotzbäckchen“ (Schwellung der Ohrspeicheldrüsen)
  • typische Spuren an den Fingerknöcheln (Bissspuren durch das selbstinduzierte Erbrechen)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Mangelernährung (auch bei Normalgewicht, da durch Erbrechen wichtige Nährstoffe nicht aufgenommen werden können)
  • Depressionen
  • Komorbidität (soziale Phobie, Angststörung, Zwangsstörung, Suchterkrankungen s.o.)

 

 

Toilette
Der Weg nach einer Heißhungerattacke führt häufig hierhin…

 

 

Als Auslöser sind wieder verschiedene Faktoren genannt, die wiederum nicht auf jeden Patienten zutreffen müssen:

  • Verdrängung der eigenen Bedürfnisse
  • Gewichts-/Schlankheitsideale
  • Konfliktvermeidung ( lieber essen und es nachher erbrechen, als mit der Familie etc. Diskussionen auszutragen)
  • Autoaggressionen (anstatt aus der Haut zu fahren)
  • Konflikte mit der eigenen Sexualität
  • Rebellion (finden alles „zum Kotzen“)
  • Kontrolle (über den eigenen Körper)  behalten (Widerspruch zum erlebten Kontrollverlust während einer Heißhungerattacke)
  • Missbrauch
  • Mobbing

 Diagnosekriterien:

Laut ICD-10 und DSM -V sollen folgende Merkmale Vorligen, damit eine Bulimie diagnostiziert werden kann:

  • Normalgewicht (bei Untergewicht muss im Grunde schon die Anorexie diagnostiert werden)
  • Essanfälle:  Essattacken auf Grund von Heißhungeranfällen, die nicht kontrolliert werden können.  Dies geschieht mindestens zwei mal in der Woche über midnestens drei Monate hinweg
  • Gegenmaßnahmen: Um nicht zuzunehmen, werden Maßnahmen ergriffen, die einer Gewichtszunahme entgegensteuern.  Dazu gehören das selbstinduziertes Erbrechen, Einnahme von Abführ- und/oder Entwässerungsmitteln sowie Appetitzüglern. Des Weiteren betreiben Betroffene übermäßigen Sport, oft in Kombination mit tagelangem Fasten.
  • Selbstwertgefühl: Das Selbstwertgefühl hängt ausschließlich von der Figur und dem Gewicht ab.

Außerdem lassen sich bei bulimischen Patienten zwei Gruppen unterscheiden:

  1. Wenden Maßnahmen an, um Nahrung wieder loszuwerden. Sie erbechen, nehmen Abführmittel und Entwässerungsmittel.
  2. Kein Erbrechen, stattdessen Gewichtsregulation durch Fasten zwischen den Essanfällen und versuchen mit exzessivem Sportprgramm ihren Stoffwechsel anzuregen und somit ihren Kalorienverbrauch zu erhöhen.

 

Therapie:

Die Therapie der Bulimie ähnelt der Therapie von Anorexie. Auch hier steht die Angst vor dem „Dick- sein“ im Vordergrund, verbunden mit einer ausgeprägten Körperschemastörung. Bulimische Patienten müssen zudem lernen, anders mit Stimmungsschwankungen, Belastungen und Konflikten umzugehen als mit Heißhungerattacken.

Ich werde Ihnen passende Lösungsvorschläge geben und aktiv mit Ihnen an der Problembewältigung sowie an Ihrem Körperbild arbeiten. Dabei kommen sowohl kognitiv- verhaltenstherapeutische Elemente als auch konfrontationstherapeutische Elemente zum Einsatz, kombiniert mit prismatischen Gesprächen. Auch hier ist die Ich-Stärkung ein wichtiger Punkt, der während der gesamten Therapie gegenwärtig ist, mit dem Ziel, eine gesunde Einstellung zum eigenen Körper zu finden.