Unkraut oder Segen?

Jeder, der einen Garten hat kennt sie. Die Meisten verfluchen sie und ärgern sich über das unkontrollierte Wachstum der Brennnessel.

Doch anstatt sich darüber zu ärgern, sollte man sich freuen.

Brennnessel
So kennt man die brennnessel. In großen Mengen im Wald oder Garten wird sie von Besitzern für ihr wucherndes Wachstum verflucht. Zu Unrecht.
Warum?

Sie gehört zu den ältesten Heilpflanzen und steckt voller gesunder Inhaltsstoffe. Ihr Einsatzgebiet in der Naturheilkunde ist breit gefächert, wie Sie im nachfolgenden Text erfahren werden.

Bei dem Gedanken, die haarige, Juckreiz auslösende Pflanze zu essen, sträuben sich wahrscheinlich bei Ihnen die Nackenhaare. Doch getrocknet oder gekocht verschwindet dieser Effekt.

Wofür ist sie gut?

Die Brennnessel besitzt ebenso viele gesunde Eigenschaften wie die berühmte Kamille, die Ringelblume oder der Löwenzahn. So dient sie im Rahmen von Frühjahrs- oder Entschlackungskuren zur Entgiftung und Entwässerung des Körpers, hilft auf Grund ihres hohen Eisengehaltes (dreimal so viel wie Spinat!) gegen Müdigkeit und Anämie (Blutarmut).

Des Weiteren wird sie bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt, da sie die Leber und Galle aktiviert. Schon Paracelsus setzte die Brennnessel als Mittel gegen Gelbsucht ein. Ferner ist sie Bestandteil eines Behandlungskonzeptes gegen entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa). Auch wird sie wegen ihrer Blutzucker-regulierenden Eigenschaften geschätzt.

Bekannt ist sie wegen ihrer positiven Wirkung auf die Blase und Niere ( sog. Aquaretikum). Bei Blasen-, Nierenbecken- und Prostataentzündungen bewirktTee sie mit ihrem hohen Kaliumgehalt, dass der Urin basisch (entspricht einem pH-Wert von über 7,5) und verdünnt wird. So verbleibt der Urin nicht lange in der Blase (wo sich die Erreger weiter vermehren), sondern wird zügig ausgeschieden. Deshalb ist Brennnesseltee Mittel der Wahl bei (einfachen) Blasenetzündungen und Reizblase.

 

Auch bei Gelenkschmerzen im Rahmen einer Arthritis oder rheumatischen Erkrankung kann die Brennnessel helfen. Entzündungshemmende Medikamente (welche oft störende Nebenwirkungen haben, wie z.B. Magenschmerzen, Magenschleimhautentzündungen bis hin zu Geschwüren), werden von Patienten oft in hohen Mengen konsumiert.

Studien an den Universitäten zu Frankfurt und München fanden heraus, dass durch den täglichen Verzehr von 50 Gramm gedünsteter Brennnessel (als Gemüse) die Schmerzmitteldosis von 200 mg auf 50 mg reduziert werden konnte.

Rheumaspezifische Blutwerte, typische Beschwerden wie Bewegungseinschränkung, Schmerz und Steifigkeit nahmen trotz der niedrigen Dosis Schmerzmittel genauso ab (Reduktion um 70%), wie bei Patienten, die bei der hohen Dosis von 200mg geblieben waren.

Des Weiteren trägt sie zur Stärkung des Immunsystems bei (stärkere Wirkung als Echinacea!), hat Blutdruck senkende Eigenschaften und hilft, bei äußerer Anwendung, gegen Haarausfall und unreiner Haut.
In BrennnesselSAMEN sind hormonähnliche Stoffe enthalten. So können diese sogar gegen Unfruchtbarkeit und Impotenz eingesetzt werden. Aus diesem Grund wurde früher für Mönche ein Verzehrverbot von Brennesselsamen ausgesprochen, um deren Keuscheitsgelübte nicht zu gefährden.

 

Feinschmecker-Fakten

Neben ihrer gesundheitsfördernden Eigenschaften ist die Brennnessel ein sehr gesunder Begleiter im Rahmen einer vitalstoffreichen Ernährung und auch für Vegetarier ein ausgesprochen empfehlenswertes Gemüse.

Sie schmeckt cremig-sanft, spinatartig und enthält neben Eisen (wie oben genannt), sechsmal so viel Calcium wie Kuhmlich, siebenmal mehr Vitamin-C als Orangen und bis zu 9% Eiweiß. Ihr Betacarotin-Gehalt erreicht die Hälfte von dem in Karotten.

Sie kann auf verschiedene Art zubereitet werden. Die klassische Variante als Tee ist vielen bekannt. Frisch geerntet (mit Handschuhen) und getrocknet wird aus ihr ein frisch-herb schmeckendes Getränk.

Tipp: kalt werden lassen und mit frischer Zitrone servieren!

Die brennende Wirkung der Haare verschwindet beim Dünsten, Trocknen und in Verbindung mit Säure.

Ein Brennnessel-Süppchen ist gesund und ein farbenfroher Start eines Menüs. Verfeinert mit etwas Sahne ergibt es ein cremiges und schmackhaftes Gericht.

Smoothie
Trend: Green-Smoothies. Da darf die Brennnessel nicht fehlen!

Sie kann auch pur, wie Spinat, gedünstet und gewürzt als Beilage serviert werden.

Roh im Salat verschwindet die Wirkung der Brennhaare durch das Dressing (da Essig enthalten ist).

Auch in Aufläufen, Risottos, Nudelsoßen, karamellisiert, in Kuchen oder Smoothies findet sie Verwendung.

 

Und, denken Sie immer noch, es handelt sich um Unkraut?

Viel Spaß beim Kochen und Experimentieren wünscht Ihre

Yvonne König

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