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Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typ (BPS), früher Borderline-Syndrom genannt, bezeichnet länger andauernde Probleme im Umgang mit Gefühlen und innerer Anspannung. Sie ist gekennzeichnet durch Impulsivität, Sprunghaftigkeit und Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, der Stimmung und des Selbstbildes.

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Neurose, Psychose und Persönlichkeitsstörung – Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung kommen alle drei Komponenten zusammen.

 

Die Borderline Persönlichkeitsstörung, kurz BPS, wirkt sich auf beinah alle Bereiche des täglichen Lebens aus:

  • zwischenmenschliche Beziehungen → konflikthaft, instabil bei gleichzeitiger Angt vor dem Verlassenwerden
  • innere Spannungs- und Angstgefühle → Selbstentwertung, Suizidgedanken, -drohungen und -versuche, selbstschädigendes Verhalten (z.B. „Ritzen“)
  • Gefühl der inneren Leere

 

Borderline (engl.) bedeutet zu deutsch Grenzlinie. 1938 fiel der Begriff zum ersten Mal durch den Psychoanalytiker Adolf Stern, welcher einen Übergang zwischen neurotischer und psychotischer Symptome bei der „Border line group“ erkannte. Die Psychotraumatologie zählt das Symptombild zu den komplexen posttraumatischen Belastungsstörungen.

Tatsächlich findet man in der Geschichte von BPS-Patienten häufig traumatisierende Ereignisse, wie zum Beispiel sexueller/emotionaler Missbrauch, Unfälle, Tod eines Elternteils, Mord, häusliche Gewalt. Zur vollen Ausprägung der Symptome kommt es meistens zwischen dem 16. und 20. Lebensjahr.

Laut DSM-V müssen mindestens fünf der unten aufgeführten Kriterien vorliegen, um die Diagnose Borderline- Persönlichkeitsstörung zu stellen.
  1. Starke Angst vor dem Verlassenwerden. Patienten bemühen sich mit allen Mitteln, um dies zu verhindern. (Hier erfolgt kein selbstschädigendes Verhalten)
  2. Intensive, aber gleichzeitig auch instabile zwischenmenschliche Beziehungen. Denken in Extremen, entweder Idealisierung oder völlige Entwertung des Anderen.
  3. Ausgeprägte Identitätsstörung. Andauernde Instabilität des Selbstbildes und/oder der Selbstwahrnehmung.
  4. Impulsivität in zwei oder mehr Bereichen: zu viel oder zu wenig essen, enthemmtes Sexualverhalten, riskantes Fahren, Substanzenmissbrauch (Alkohol, Drogen, Medikamente), übermäßiges Geld ausgeben, Spielen.
  5. Suizidale Handlungen, Selbstverletzungen (typische Schnittwunden auf den Armen, Beinen, Bauch), Selbstmorddrohungen.
  6. Affektive Instabilität: wechselnde Stimmung von depressiv zu manisch- euphorisch, Reizbarkeit und Angst.
  7. Chronische Gefühle von Leere.
  8. Heftige Wutausbrüche mit impulsiven Handlungen, Kontrollverlust, länger andauernde Wut, körperliche Auseinandersetzungen.
  9. Durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen.

 

Besonders in sozial fordernden Situationen ist die Fähigkeit zur spontanen und bewussten Steuerung von Spannungen und Gefühlen unabdingbar: Reaktion auf Zurückweisungen, Enttäuschen, bei zwischenmenschlicher Nähe, zur Äußerung und Umsetzung  von Wünschen und Erwartungen.

Betroffene sind mit solchen Anforderungen jedoch dermaßen überfordert, dass sie nur mit Wutausbrüchen, impulsiven Handlungen, Vorwürfen oder auch Gefühllosigkeit, Rückzug und/oder Selbstschädigung reagieren können. Es besteht eine starke Neigung zur Derealisierung (die Umgebung scheint „merkwürdig“, „sonderbar“) bis hin zur Depersonalisation („ich bin nicht mehr ich“, „ich weiß nicht, wer ich bin“, „ich fühle mich nicht mehr“).

Das selbstschädigende Verhalten charakterisiert den typischen BPS-Patienten. Außenstehende kennen häufig nur die abwertende Bezeichnung „Ritzer“.

Warum schädigen sich die Betroffenen selbst?

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Aggressionen, Wut und innere Spannungen stauen sich bei den Patienten in einem hohen Maß an, selbst wenn sie mit Wutausbrüchen reagieren finden sie irgendwann keinen anderen Weg mehr, um ihre Spannung abzubauen. Die Rasierklinge (oder Messer, Schere, spitze Gegenstände, die eigenen Zähne) bieten die Möglichkeit, „sich ins eigene Fleisch zu schneiden“. Mit dem fließenden Blut bauen sich innere Spannungen ab, die Patienten fühlen sich erleichtert und gleichzeitig schlecht, innerlich leer, ungeliebt.

Nicht alle Patienten mit einer BPS verletzen sich selbst!

Einige zeigen auch nur typische Charaktereigenschaften oder schädigen sich, indem sie übermäßig Alkohol zu sich nehmen, Drogen nehmen, nichts oder zu viel essen oder riskant verhalten.

Viele Patienten berichten, sie wissen selbst nicht, wer sie sind. Die andauernde Achterbahn der Gefühle verwirrt sie selbst zu sehr, sie können mit sich selbst nicht umgehen und verlieren sich in sich selbst. So zeichnen sich auch die zwischenmenschlichen Beziehungen als wechselhaft und instabil aus, wobei gleichzeitig die Angst vor Trennung besteht.

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Insbesondere im zwischenmenschlichen Bereich zeigen sich Schwierigkeiten. Ein und die selbe Person kann hier noch verklärt idealisiert und im anderen Moment abgewertet werden. Es herrscht ein ständiges Auf und Ab der Gefühle und des Zugehörigkeitsgefühls.

 

Es handelt sich hierbei um eine sogannte „frühe Störung“ (heißt, schon in den ersten Lebensmonaten belastend), wobei bereits im Kindesalter Beziehungen zu anderen Personen (Eltern, Geschwister, Freunde, Bezugs- und Autoritätspersonen) in „gut“ und „böse“ eingeteilt werden, die eigene Person steht zusammenhangslos daneben. Dieses Muster zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der Patienten mit BPS.

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Denken in Schwarz und Weiß, typisch bei BPS.

 

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung hat eine hohe Komorbidität. Das heißt, es finden sich noch weitere psychische Störungen, wie zum Beispiel Depressionen, Angststörung, Essstörungen und Suchterkrankungen.

 

Wie gehen Angehörige damit um?

Das Leben mit einer an BPS erkrankten Person ist extrem schwierig und stellt für alle Beteiligten eine große Herausforderung dar. Sie sind oft von Ängsten (insbesondere vor dem Alleinsein),  innerer Leere und Langeweile geplagt, obgleich die Personen es selber sind, die eine langfristige Beziehung zu anderen Menschen unmöglich machen.

Wer sich dazu entschließt, diese Herausforderung anzunehmen, sollte selbst emotional stabil genug sein, um nicht mitgerissen zu werden in eine Welt der Gefühlsachterbahn. In kritischen Situationen, wo der BPS-Partner/Kind/Geschwisterteil aggressiv und unkontrolliert ist, sollte das Gegenüber auf keinen Fall ebenfalls laut werden!

Bleiben Sie ruhig, gelassen und antworten Sie nicht! Widersprechen Sie nicht. Am besten verlassen Sie den Raum. Falls Drohungen ausgesprochen werden, versuchen Sie nicht, den oder die Betroffene davon abzuhalten. Es ist ein Schrei nach Aufmerksamkeit, dem Sie in diesem Moment nicht nachgehen können. Bleiben Sie stark.

Sie können nichts tun. Es handelt sich um eine Störung der Persönlichkeit. Nur indem Sie ruhig bleiben und die Person austoben lassen, können Sie miteinander leben. Anderenfalls werden Sie selbst krank.

Da BPS-Patienten eine besondere Begabung zu Manipulation ihrer Mitmenschen haben, werden Sie schnell merken, dass Sie im Besitz dieser Person sind. Unternehmen Sie etwas alleine, wird sie Ihr Partner ständig anrufen, kontrollieren, fragen, wo Sie mit wem unterwegs sind. Wahrscheinlich wird Ihr Partner verlangen, dass Sie nach Hause kommen.

Die einzige Lösung ist eine Langzeittherapie mit verhaltenstherapeutischem Ansatz sowie psychagogischen ( Kombination aus Psychotherapie und pädagogischen Vorgehensweisen) Elementen. Gegebenenfalls ist eine Traumatherapie notwendig. Eine stationäre Therapie stellt oftmals die einzige Lösung dar, insbesondere bei Suizidgefahr, die leider nicht gering ist.

 

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